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Wie alles begann ...

Es war einmal vor langer, langer Zeit in dem im idyllischen Werntal gelegenen Poppenhausen, als die wunderschöne Wirtstocher Renate und der ihr angetraute fesche Hubert beschlossen, dass zu ihrem Glück eigentlich nur noch ein kleiner Schreihals fehlen würde. Nun, gut Ding braucht Weile. Doch nach einer kurzen Vorbereitungs- und Planungsphase war es in der Rekordzeit von nur fünf Jahren eines Sonntag Mittags im April dann schon soweit: Das Zentrum des Wissens kam in die Welt, der Chefpilot ward geboren.

Zur Feier des Tages wurde gleich mal die Fahne hinausgehängt, so dass die meisten Gäste ausblieben, die an diesem Sonntag zum Mittagessen in die Gaststätte »Bergluft« kommen wollten, weil sie befürchteten, der Bischof wäre im Hause Kimmel zu Gast. Doch auch in anderen Dorfgaststätten hätten sie kein Glück gehabt, da zu diesem Zeitpunkt sämtliche Hofköche ihrer Freude bereits in einem wilden Saufgelage in der »Bergluft«-Küche Ausdruck verliehen hatten. Doch davon konnte ich noch nichts ahnen, da ich zur gleichen Zeit im entfernten Bad Kissingen den Schlaf des Gerechten schlief. Auch von meiner Berufung, das Zentrum des Wissens zu sein, ahnte ich zu diesem Zeitpunkt noch nichts. Paradox, nicht wahr?

Drei Jahre später erhielt ich ein neues Spielzeug und Versuchsobjekt, das in weiser Voraussicht auf den Namen »Lieblingsschwester« getauft wurde. Allerdings dauerte es noch eine geraume Zeit, bevor man diesen Namen auch wirklich als zutreffend bezeichnen konnte.

Meiner Karriere als Kindergarten-Legobaumeister folgte eine erste Ernüchterung: Topflappen-Häkeln bei Frau Glück in der Grundschule Oberes Werntal. Das Topflappen-Debakel war in einem langen Überredungskampf schließlich auch das ziehende Argument, das mich mich im zarten Alter von zehn Jahren bewog, Familie, Freunde und Heimat zu verlassen und das Walther Rathenau Gymnasium im entfernten Schweinfurt zu besuchen. Bereits der erste Kontakt mit meinen Mitschülern, namentlich Werner S., beraubte mich all meiner Illusionen von einer heilen und friedlichen Welt. Mit der Zeit wurde ich jedoch assimiliert und so entwickelte sich ein schlagkräftiges und erfolgreiches Duo, immer auf der Suche nach neuem Schabernack und bisher unentdeckten Alkoholvorkommen. Diese – nennen wir es »Symbiose« – setzte sich bis zum Abitur fort (»Wann machst'n jetz ma mei Facharbeit?«). Langsam stellte sich auch heraus, dass ich meinen Mitschülern mit meinen umfangreichen Mathematik- und Lateinkenntnissen sehr nützlich war. Erwartungsgemäß schloss ich die Schullaufbahn innerhalb der Top 5 ab (gerade noch).

Während meines zehnmonatigen Gastspiels beim Stabs- und Fernmelderegiment 4 in Regensburg weigerte ich mich, dem Verein der Aufklatscher beizutreten und mich aus einem Flugzeug stoßen zu lassen um heroisch eine Funkverbindung für meine Kameraden herzustellen. Vielmehr harrte ich im Regimentsstab aus und arbeitete nebenbei für die Völkerverständigung als Dolmetscher Oberpfälzisch-Deutsch, Sächsisch-Deutsch sowie umgekehrt und wechselseitig (mit Umwegen über's Fränkische). Alles in allem führten diese Entscheidungen erwartungsgemäß zu einer Förmlichen Anerkennung wegen vorbildlicher Pflichterfüllung.

Auf der Suche nach neuen Herausforderungen fand ich schließlich den schwersten Studiengang überhaupt: Luft- und Raumfahrttechnik an der Universität Stuttgart. Angelockt durch eine (fälschlicherweise vermutete) Beziehung zur Astronomie stellte ich schnell fest, dass das ganze mit Raketenforschern nicht so viel zu tun hat – jedenfalls nicht im Vordiplom. Auch mein Mitstreiter Marcus H. musste diese Erfahrung machen. Mein Lieblingsgesprächsthema ging, als er nach drei Semestern zum Studiengang Informatik wechselte. Ich folgte jedoch dem vorgezeichneten Kurs und fand heraus, dass ich das Zentrum des Wissens bin. So hart diese Erkenntnis zu Beginn war – ich hatte mich bald mit meinem Schicksal abgefunden. Wenn dies meine Bestimmung war, dann würde ich das Kreuz auf mich nehmen und allen Hilfe Suchenden beistehen. Doch zuvor musste ich in mich gehen und entschied mich für ein sechsmonatiges asketisches Leben im fernen Asien: in China. Während des Vorstellungsgesprächs wurde den Praktikantenbetreuern der Lufthansa schon nach wenigen Minuten klar, was für ein geiler Typ ich bin – meine beiden Mitbewerber waren zu meinem Glück überqualifiziert. Und während meines Aufenthaltes im Reich der Mitte wurde mir schon nach kurzer Zeit klar, dass das Leben hier alles andere als asketisch werden würde. So verbrachte ich also den Jahrtausendwechsel in Peking. Während des Praktikums kam ich mit vielen Flugzeugen bzw. deren Einzelteilen in Berührung. So wurde ich zum Chefpilot.

Mittlerweile bin ich wieder zurück und stehe den Unwissenden und Hilfe Suchenden mit Rat und Tat zur Seite – auch wenn manche Leute ganz schön dumme Fragen stellen können. Nichts desto trotz bin ich weiterhin auf Kurs und dringe in Dimensionen, Sphären und Galaxien vor, die nie ein Mensch zuvor gesehen hat.


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